vorab zur Schrift, die uns allen geläufig sein dürfte. Im Jahre 1940 waren es besonders die jungen Stundenden, Fremdsprachler und Wissenschaftler, die sich dieser lateinischen Ausgangsschrift im Deutschen bedienten. Die Generation zuvor war mit der gebrochenen Kurrent vertraut, die Kinder in der Schule lernten noch die Sütterlin. Per Normschrifterlass vom 3. Januar 1941 wollte man dem ein Ende setzen. Wer es gewohnt war, seine Briefe in althergebrachter Handschrift zu verfassen, ob Soldat, Ministerialrat oder Sekretärin, musste umsatteln. Die Gleichschaltung, mit ihren tiefgreifenden Auswirkungen in nahezu alle Lebensbereiche, war in jenem Jahr schon fortgeschritten und brachte wesentlich dramatischere Folgen mit sich als oberflächliche, ungeübte Federzüge. 

Dietrich Bonhoeffer, Mitglied der Bekennenden Kirche, sandte 1940 folgenden, unscheinbaren Brief an seinen Glaubensbruder Grosch ins Feld. Das Gemeindehaus in der Berliner Achenbachstraße war zu dieser Zeit schon lange ins Visier der Geheimen Staatspolizei gerückt. Flugblattverteilungen, anstößige Predigten, etc. wollte man nicht länger hinnehmen. Es gab viele Gemeinsamkeiten zwischen Grosch und Bonhoeffer: der Besuch des Walther-Rathenau-Gymnasiums in Berlin Grunewald, die Gemeindearbeit in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und schließlich das persönliche Kennenlernen im Predigerseminar Finkenwalde. Unter dem Motto HAPAX, „ein für allemal“ arbeiteten sie mit vielen jungen Theologen wie Eberhard Bethge, Winfried Mauchler oder Albrecht Schoenherr zusammen. Man grenzte sich klar ab von den Deutschen Christen.

Gerhard Jacobi, in jenen Jahren Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, sah in Götz Grosch seinen Nachfolger. Man unternahm Rüstzeiten für Kinder und Jugendliche, nicht nur, um den evangelischen Glauben zu verbreiten, sondern um eine Alternative zu bieten. Rosemarie Streisand, Ilse Breier oder Hella Haßel, allesamt jüdischer Herkunft, besuchten diesen Montagskreis in Potsdam.

Die Einberufung war ein wirksames Mittel, um aufstrebenden Opportunismus zu zerschlagen. Götz Grosch, Otto Karl Lerche, Horst Thurmann, Karl Ferdinand Müller und viele andere junge Theologen, die sich beim Predigerseminar kennenlernten, wurden so räumlich und gedanklich getrennt. Einzig solche Dokumente können aufzeigen, wie sehr man bemüht war, auch in dunklen Zeiten einen Weg der Gemeinsamkeit zu finden.

Es ist eine schöne Begebenheit, dass der Nachlass Grosch, mit all seinen persönlichen Briefen und Dokumenten zur BK, neben dem Nachlass Dietrich Bonhoeffers Platz gefunden hat – dank eines offenen und geschichtsinteressierten Sammlers.

bonhoeffer.staatsbibliothek-berlin

Da es sich um die gegenwärtig verwendete Schreibform handelt, überlasse ich zur Abwechslung Ihnen das „Transkribieren“ (mit Ausnahme des Schlusses). Ein schönes Beispiel, dass selbst die uns so gewohnte Schrift nicht immer einfach zu lesen und Übung gefragt ist.

… Aber Geduld werden wir alle in den nächsten Jahren, wie mir scheint, reichlich lernen müssen. „Lass doch Dein Licht, auslöschen nicht, bei uns allhier auf Erden.“ – In herzlicher brüderlicher Gemeinschaft grüßt Sie Ihr getreuer Dietrich Bonhoeffer

11/21 Dietrich Bonhoeffer – Götz Grosch 1940: ein Pastor im Felde